Rahmenbedingungen Der Skimarkt wird in den kommenden
Jahren durch weitreichende Veränderungen beeinflusst:
- 2050 wird ein Drittel der Bevölkerung in höher
entwickelten Ländern über 60 Jahre alt sein. Ältere
Menschen werden damit in Zukunft zu einer wichtigen Zielgruppe für
den Skisport.
- Experten rechnen bis 2020 mit einem
Temperaturanstieg um 1° Celsius, bis 2050 um ein weiteres Grad. Die
globale Erwärmung beeinflusst die Schneesicherheit in Skigebieten.
Eine Verlagerung von Skigebieten in höhere Lagen und die
Erschließung neuer Regionen und Standorte ist wahrscheinlich.
- Die
weltweite Verknappung von nicht erneuerbaren Ressourcen sowie weiter
steigende Energiepreise machen den Betrieb von Aufstiegsanlagen und die
künstliche Beschneiung von Pisten wirtschaftlich immer
unrentabler.
- Die Klima- und Umweltbedingungen führen zu einem veränderten Umweltbewusstsein.
„Um sich die Position im Skimarkt
nachhaltig zu sichern, müssen sich Sportartikelhersteller auf drei
strategischen Ebenen neu positionieren. Erstens bieten aufstrebende
Absatzmärkte wie China, Russland oder Osteuropa zahlreiche Chancen für die
Skiindustrie. Zweitens gilt es zu überlegen, welche Zielgruppen man ansprechen
möchte. Der naturbegeisterte und umweltbewusste Skifahrer hat andere
Bedürfnisse als der technik-interessierte oder lifestyle-orientierte
Wintersportler. Das bedeutet drittens, speziell auf die Bedürfnisse dieser
Zielgruppen maßgeschneiderte Produkte anzubieten und Nischen zu besetzen“,
erklärt Markus Hefter, Projektleiter des ispo Teams.
Eine Studie der ispo zur Zukunft
des Skifahrens zeigt in vier visionären Szenarien Entwicklungschancen für den
Wintersport in den nächsten 20 bis 50 Jahren.
Skifahren als Teil eines ganzjährigen Bergerlebnisses Sowohl für sportbegeisterte
Familien als auch hightech- und modeorientierte Sportler ist Skifahren in
Zukunft ein attraktives Wintersporterlebnis. In großen, für viele Besucher
ausgebauten Skigebieten in mittleren Höhenlagen suchen sie Erholung und Spaß.
Um den Skibetrieb in dieser Form aufrecht zu erhalten und damit den Skimarkt
längerfristig zu sichern, muss die Skisportindustrie in bereits bestehende
Gebiete investieren und dafür Sorge tragen, dass diese auch im Sommer
wirtschaftlichen Nutzen für die Betreiber haben. Durch vielfältige
Freizeitangebote können die Bergregionen zu ganzjährig attraktiven
Sport- und Erlebniszentren ausgebaut werden. Eine Chance für die
Ausrüster besteht zudem darin, in neuen Skiregionen Präsenz zu zeigen und so
potenzielle Kunden für sich zu gewinnen. Für die breite Zielgruppe kann eine
differenzierte Palette an funktionalen, intelligenten und modischen Produkten
angeboten werden: Von Wearable
Technologies wie der
multifunktionalen Jacke mit integriertem GPS-Gerät und trendigen Ohrenschützern
mit integriertem iPod bis hin zu modischen Komplettoutfits und spezieller
Sicherheitsausrüstung.
Damit Skisportvergnügen mit der
ganzen Familie attraktiv bleibt, bedarf es einer größeren Palette von kind- und
familiengerechten Angebote. Besonders nachgefragt werden speziell für kindliche
Bedürfnisse entwickelte Skiausrüstung und Bekleidung, die durch den Einsatz
intelligenter Technologie und belastbarer Materialien hohe Funktionalitäts- und
Sicherheitsaspekte erfüllen. Ausbaufähig sind außerdem die Verleihkonzepte, die
vor allem den Ansprüchen von Kurzurlaubern oder Familien mit Kindern gerecht
werden.
Skifahren als Naturerlebnis Neben dem breiten
Massen-Skitourismus entwickelt sich ein Skifahr-Trend bei dem neben der
Begeisterung am Sport das Naturerlebnis im Vordergrund steht. Es entwickeln
sich bereits erste ökologisch orientierte Urlaubsorte in den Alpen, die dank
pistennaher Unterkünfte und guter Infrastruktur ohne motorisierten Verkehr
auskommen. Bio-Hotels bieten nachhaltige Unterkünfte, in denen frisches
Gebirgsquellwasser aus dem Hahn fließt und auf chemische Reinigungsmittel
verzichtet wird. Die Anhänger dieser Bewegung haben einen umweltbewussten und
verantwortungsvollen Lebensstil und wollen zur Erhaltung der Natur beitragen.
Diesem Anspruch der so genannten LOHAS (Lifestyle of Health and Sustainability)
können die Hersteller Rechnung tragen, indem sie
Produkte aus umweltverträglichen
und recyclingfähigen Materialien entwickeln. Um die Zielgruppe langfristig zu
überzeugen, ist es zudem wichtig, dass sich die Unternehmen glaubwürdig
präsentieren, beispielsweise indem sie ökologisch-nachhaltig produzieren und
sich in den entsprechenden Skigebieten für Umweltprojekte einsetzen. Gefragt
ist multifunktionale Ausrüstung, die es ermöglicht zwischen Tourengehen,
alpinem Fahren und Telemark zu wechseln und dabei ein hohes Maß an Sicherheit
und Zuverlässigkeit bietet.
Skifahren als Stadterlebnis Abseits von natürlichen Berghängen
und traditionellen Wintersportregionen wird
Skifahren künftig zu einer neuen
Form der Freizeitbeschäftigung in Städten und Ballungsräumen. Trendbewusste und
spaßorientierte Städter können in multifunktionalen Gleitarenen unabhängig von
Wetterbedingungen und Jahreszeit Wintersport betreiben. Durch die Kombination
mit Zusatzangeboten wie Fitness- und Wellnessbereichen, Restaurants und Bars
sowie Konzerten und anderen Events wird ein breites Publikum erreicht. Für die
Skiindustrie ergibt sich dadurch die Chance völlig neue Zielgruppen zu
gewinnen. Vor allem im Bereich Sportstyle kann ein neuer Absatzmarkt
erschlossen werden. Es gilt modische Sportbekleidung im urbanen Lifestyle zu
kreieren, die sowohl in der Skihalle als auch im Alltag getragen werden kann.
Bei der Ausrüstung müssen Hersteller verstärkt Materialien einsetzen, die für
künstliche Oberflächen geeignet sind. Außerdem wächst der Bedarf an speziell
für den in Skihallen üblichen Leihbetrieb entwickelten Skiern, Stiefeln und
Bindungen, die sich leicht einstellen und anpassen lassen und extrem haltbar
sind.
Skifahren als virtuelles Erlebnis Mit der Weiterentwicklung von
Visualisierungstechnologien ist in der Zukunft ein etwas anderes
Skifahr-Erlebnis möglich. In Skisimulatoren können sich Spiel- und
Sportbegeisterte durch virtuelle Bergwelten bewegen und in Wettkämpfen ihr
Fahrkönnen erproben. Diese moderne Form der Unterhaltung bietet dem Skisport
eine neue Plattform um sein Image unter jungen, hightech-affinen Nutzern
aufzufrischen und so Nachwuchs zu gewinnen.
Zur Studie Die Studie „Die Zukunft des
Skifahrens“ wurde von der SportKreativWerkstatt im Auftrag der ispo
durchgeführt. Die vier entwickelten Systemvisionen beruhen auf einer
ausführlichen Analyse von zukünftigen Kontextbedingungen und möglichen
Innovationspotenzialen. Dabei wurden demographische, wirtschaftliche,
technologische sowie umwelt- und skispezifische Trends berücksichtigt und die
Ergebnisse einer Befragung von 30 Experten integriert.
Die Studie bietet eine
detaillierte Beschreibung der unterschiedlichen Szenarien in Bezug auf die
jeweiligen Nutzertypen, Standorte, Infrastrukturen, Produkte und
Dienstleistungen und gibt konkrete Handlungsempfehlungen für die Skiindustrie.
Eine Visualisierung aller Szenarien ist in hochauflösender Qualität erhältlich.
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